15-11-2011 14:26

Presseinformation der BI "Rettet den Schulhof des GRG 17" am 15.11.11

Hernalser SchülerInnen fordern sofortigen Baustopp Heftigster Widerstand anlässlich morgigem Start der Bauverhandlung

 

Wien, am 15. November 2011 - Am 16. November beginnt das Bauverfahren zu Wiens umstrittensten Garagenprojekt mit der Bauverhandlung zwischen Baupolizei und Anrainern in Hernals ohne Mitspracherecht der unmittelbar Betroffenen. Nach massiven Protesten hatte die Garagenerrichtungsfirma HH 59 den um ihre Lernumgebung besorgten SchülerInnen und LehrerInnen, im Sommer 2011 eine Reihe von Maßnahmen gegen die massive Lärm- und Staubbelastung und für mehr Sicherheit versprochen. Kürzlich gab die Firma in einer Elternversammlung zu, dass wesentliche Zusagen, die zur Beruhigung der Eltern und Schülern gemacht wurden, nicht eingehalten werden können. Dazu gehören der Ablauf des Aushubs, die Abgasentlüftung im Schulhof sowie ein weiterer Ausgang im Schulhof. „Jetzt zeigt sich, dass man uns die ganze Zeit hinters Licht geführt hat“, ist Klaus Zambra, Elternvertreter des GRG 17, empört über die monatelangen Verhandlungen. Die Schüler- und Lehrergemeinschaft fordert einhellig, dass das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und der Stadtschulrat ihre schon getätigte Zustimmung zum geplanten Bauvorhaben unter diesen falschen Voraussetzungen zurückziehen. Die Schülerschaft wird weiterkämpfen und kündigt weitere Protestmaßnahmen für Dezember an.

Morgen beginnt das Bauverfahren für die Tiefgarage unter dem Schulhof des GRG 17 Geblergasse. „Unsere Meinungen als Betroffene haben keinerlei Gewicht in diesem Bauverfahren, obwohl es um unsere Unterrichtsqualität, Sicherheit und Gesundheit geht“, so stellv. Schulsprecher Markus Brandstetter entsetzt. „Anrainer, die an der nächsten Kreuzung eine Werkstatt besitzen haben mehr Rechte als 650 SchülerInnen und mehr als 70 LehrerInnen!“ so Brandstetter.

Der Bau einer Tiefgarage unter dem Hernalser Schulhof wurde im Juni 2011 von der Hernalser SP-Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer durch eine Anrainerbefragung von 6.000 stimmberechtigten AnrainerInnen mehrheitlich (57 Prozent pro, 43 Prozent kontra) legitimiert. Weder SchülerInnen, Eltern, noch LehrerInnen des GRG 17 waren stimmberechtigt. Zum positiven Ausgang der Befragung, führten vor allem Garantien für die Sicherheit und Gesundheit der Betroffenen. Am 25. Oktober entschuldigte sich der Geschäftsführer des Garagenerrichters, im Zuge einer Hauptversammlung des Elternvereins vor Hunderten betroffenen LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern, dass die Baustellentätigkeiten nicht - wie versprochen -, quasi staub- und geruchlos unter dem Deckel der Garage vor sich gehen würde. In Wahrheit würde der Erdaushub durch eine 64 Quadratmeter große Öffnung transportiert. Auch die zugesagten „Flüsterrollbänder“ könne es nicht geben. Der 7,5 Meter hohe Abluftturm werde zudem nicht über das Dach der angrenzenden Gebäude geführt, sondern mitten im Schulhof aufgestellt. „Da die umliegenden Gebäude wesentlich höher sind, ist eine enorme Luftverschmutzung zu erwarten. Das Garagenprojekt mit der Errichtung der Abgasentlüftung mitten im Schulhof stellt eine Gefahr dar. Wir haben Angst vor dauerhaften negativen Folgen auf die Gesundheit unserer Kinder!“ so Elternvertreter Zambra.

Die Bauarbeiten sollen im Sommer 2012 beginnen und bis Dezember 2013 dauern. Schulsprecherin Johanna Jicha ist empört: "Das Versprechen, dass wir bereits vier Monate nach Baubeginn wieder im Hof Sport machen können, ist somit ebenfalls hinfällig.“ Weiters werde dem Vernehmen nach der Ausgang zur Geblergasse nicht nur, wie bislang behauptet, ein Fluchtweg sein, sondern allen Garagenbenützern zur Verfügung gestellt. „Dadurch wird uns ein Teil des Schulhofes einfach weggenommen und die private Atmosphäre im Schulhof zerstört. Außerdem stellt dies ein Sicherheitsrisiko für unsere Kinder dar“, bekräftigt Gabriela Stocker, Obfrau des Elternvereins.

Die Eltern- und SchülervertreterInnen sowie LehrerInnen lehnen das Projekt entschieden ab. „Der Bezirk benötigt nach Einführung des Parkpickerls an diesem Standort keine zusätzlichen teuren PKW-Garagenplätze,“ so eine entsetzte Mutter. In einem Interview der Wiener Zeitung äußerte sogar Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer Zweifel, ob die Wahl des Garagenstandorts nach Einführung des Parkpickerls im September 2012 nicht zu überdenken wäre. Wenn erst nach dem Parkpickerl klar würde, ob diese Garage noch im öffentlichen Interesse des Bezirks sei, kann es jedoch für die Betroffenen längst zu spät sein. „Wir fordern deshalb ein sofortiges Moratorium von Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer!“ so die SchülerInnen.

Besonders enttäuscht sind die SchülerInnen vom Wiener Stadtschulrat, der sich schon von Beginn an hinter den privaten Bauwerber stellte und von dem die SchülerInnen sich mit ihren Sorgen am meisten im Stich gelassen fühlen. „Mit Entsetzen haben wir erfahren, dass in Bundesgebäuden andere Regeln als in Gebäuden der Stadt Wien gelten, sodass nicht einmal die Lärmschutzgrenzen von 50 Dezibel für geistiges Arbeiten eingehalten werden müssen! Gerade in Zeiten der Matura ist es dringend notwendig, in Ruhe lernen zu können. Ganz zu Schweigen von Unterstufen in der Ganztagsschule, die den Schulhof nun doch nicht nutzen können!“ so Schulsprecherin Jicha. „Ist Bildung kein öffentliches Interesse?“ fragt sich die Schulsprecherin. „Es kann doch nicht sein, dass unser garantiertes Recht auf optimale Bildung dem Wunsch nach mehr PKW-Stellplätzen untergeordnet wird! Diese scheinen aber absolute Priorität zu haben, das Top-Thema Bildung ist daher nachrangig, wenn es um die wirtschaftliche Interessen einer privaten Firma geht,“ so Jicha.

Zeitgleich mit der Bauverhandlung wird die Schülervertretung der Geblergasse morgen beim SIP (SchülerInnen im Parlament) einen Antrag einbringen. Es sei nicht nachvollziehbar, warum ein solches Projekt einen Schulhof zerstören darf, nur weil es sich wie beim GRG 17 um eine Bundesschule und nicht um eine Schule der Stadt Wien handelt. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen und um unseren Schulhof kämpfen“, spricht der Stv. Schulsprecher Markus Brandstetter allen Betroffenen aus der Seele.

Rückfragehinweis und Protestfotos:
Klaus Zambra, Elternvertreter, Vertreter des Elternvereins, Tel. 0664/ 602 59 111 22
Karin Prauhart, Vertreterin der BI „Rettet den Schulhof des GRG 17“, Tel. 0699/1111 7465